Was bedeutet Bioverfügbarkeit?
Bioverfügbarkeit beschreibt, wie viel eines Nährstoffs unser Körper tatsächlich aufnehmen und verwerten kann – nicht nur, wie viel davon im Lebensmittel enthalten ist.
Zwischen theoretischem Nährstoffgehalt und tatsächlicher Nährstoffversorgung kann ein erheblicher Unterschied bestehen.
Tierische vs. pflanzliche Lebensmittel
Eine aktuelle Analyse zur Bioverfügbarkeit von 27 essenziellen Nährstoffen zeigt [1]:
- Für die Mehrheit dieser Nährstoffe ist die Bioverfügbarkeit in tierischen Lebensmitteln höher als in pflanzlichen.
- Besonders ausgeprägt sind die Unterschiede bei Eisen, Zink, Biotin und mehreren B-Vitaminen.
- Pflanzliche Lebensmittel können zwar hohe absolute Nährstoffgehalte aufweisen, jedoch reduzieren Hemmstoffe wie Phytate häufig die tatsächliche Aufnahme im Körper.
Das bedeutet nicht, dass pflanzliche Ernährung per se unzureichend ist. Es bedeutet jedoch, dass der Nährstoffgehalt allein kein verlässlicher Indikator für Nährstoffversorgung ist.
Konsequenzen für Ernährungsempfehlungen
Um mit einer pflanzenbasierten Ernährung eine vergleichbare Nährstoffversorgung wie bei einer Ernährung mit tierischen Lebensmitteln zu erreichen, müssen häufig größere Mengen pflanzlicher Lebensmittel konsumiert werden. Dies kann:
- zu einer höheren Gesamtkalorienaufnahme führen,
- die praktische Umsetzung im Alltag erschweren,
- und insbesondere bei kritischen Mikronährstoffen problematisch sein.
Gerade in Regionen mit hoher Prävalenz eines Mikronährstoffmangels ist dieser Aspekt entscheidend. Werden Unterschiede in der Bioverfügbarkeit in Ernährungsempfehlungen nicht ausreichend berücksichtigt, besteht das Risiko einer systematischen Überschätzung der tatsächlichen Nährstoffversorgung – mit der Folge des sogenanntem Hidden Hunger.
Bioverfügbarkeit ist dabei kein Detail – sondern ein zentraler Baustein für Ernährungssicherheit, Gesundheitsvorsorge und eine verantwortungsvolle Weiterentwicklung unserer Ernährungssysteme.