„Wie wirken sich Ernährungsumstellungen nach den EAT-Lancet-Empfehlungen auf die Treibhausgasbilanz landwirtschaftlicher Böden aus?“ Dieser Frage sind Wissenschaftlern der Universität Aarhus (Dänemark) und des Forschungszentrum Ispra (Italien) in einer Fallstudie nachgegangen. Die Resultate dieser Studie [1] sind im März 2025 in der wissenschaftlichen Zeitschrift Agricultural Systems veröffentlichte worden: Forscher kamen zum Schluss, dass die vollständige Umsetzung der EAT-Lancet-Referenzdiät in Dänemark im Vergleich zu einer unveränderten Ernährung zwischen 2030 und 2100 zu erheblichen Kohlenstoffverlusten in landwirtschaftlichen Böden führen würde.

Weniger Tiere bedeutet nicht gleich weniger Emissionen

Die Reduzierung der Viehbestände wurde bis jetzt als wirksame Strategie zur Senkung der anthropogenen Treibhausgasemissionen dargestellt. Doch diese Idee wurde von Studien gestützt, die sich hauptsächlich auf Emissionen aus der Viehzucht und der Lebensmittelproduktion konzentrierten und dabei die Auswirkungen auf die Bodenemissionen außer Acht gelassen haben. Diese offensichtliche Lücke wurde nun in einer aktuellen Studie aus Dänemark geschlossen, die zeigt, dass eine Umstellung auf eine pflanzlichere Ernährung nicht automatisch zu einer Nettoverringerung der landwirtschaftlichen Emissionen führt.

Das Gegenteil ist sogar der Fall: Eine Reduzierung der Tierbestände könnte unbeabsichtigte negative Folgen haben.

Fallstudie aus Dänemark mit überraschenden Ergebnissen

So haben Wissenschaftler der Universität Aarhus (Dänemark) und des Forschungszentrum Ispra (Italien) eine umfassende Bewertung der Auswirkungen der EAT-Lancet-Gesundheitsernährung auf die Netto-Treibhausgasbilanz des Bodens in Dänemark vorgenommen.

Dabei wurde berücksichtigt, dass der Rückgang des Anteils an Dauergrünland (das aktuell als Weideland für Tiere benutzt wird) und deren Umwandlung zum Ackerland dazu beitragen werden, dass aus den Agrarböden mehr Kohlenstoff (CO2) entweicht und dazu auch die Lachgas-Emissionen (N2O) steigen.

Mehr Kohlenstoff- und Lachgasemissionen

Die einfache Erklärung dafür: Weniger Tierhaltung bedeutet, dass – beim gleichbleibenden Ertrag – der Anteil des mineralischen (synthetischen) Düngers proportional zum Rückgang des organischen Düngers steigt. In feuchten Klimazonen, wie Dänemark, könnten aber die N2O-Emissionen von synthetischen Düngemitteln höher als von organischen Düngemitteln sein.

Auch die Landnutzungsänderungen – von Grünland zu Ackerkulturen – können zusätzliche Treibhausgas-Emissionen auslösen, insbesondere in der Übergangsphase: Das Pflügen von Grasland beschleunigt den Abbau des organischen Kohlenstoffs, das unter anderem auch in den Graswurzeln gespeichert wird.

Das Fazit der Forscher

Unbeabsichtigte negative Auswirkungen auf die Böden durch den Abbau von Tierbeständen können zu mehr Emissionen führen. „Diese Auswirkungen sind je nach Boden- und Klimabedingungen unterschiedlich und sollten bei Strategien zur Emissionsminderung sorgfältig berücksichtigt werden“. Letztendlich bedeutet das, dass die vereinfachten Hochrechnungen nicht der komplexen Realität der Landwirtschaft gerecht werden, oder – wie es Wissenschaftler für Wissenschaftler formulieren – „Die starken regionalen Unterschiede in den Netto-Treibhausgas-Bilanzen der Böden machen räumlich explizite Bewertungen in anderen Regionen und auf größeren Skalen erforderlich“.

How do diet shifts affect the greenhouse gas balance of agricultural soils