Pflanzliche Fleischalternativen und Getränke auf Basis von Hafer, Soja oder Mandeln haben sich als feste Bestandteile des Lebensmittelangebots etabliert. Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist dabei nicht nur die Zusammensetzung eines Produkts entscheidend. Auch seine Qualität und Sicherheit verdienen Aufmerksamkeit. Eine aktuelle, von ÖKO-TEST aufgegriffene Untersuchung zu Schimmelpilzgiften (1)Schimmelpilzgifte in pflanzlichen Alternativen: Warum ein genauer Blick auf Lebensmittel wichtig istSchimmelpilzgifte in pflanzlichen Alternativen: Warum ein genauer Blick auf Lebensmittel wichtig ist in pflanzlichen Alternativen lenkt den Blick auf einen Aspekt, der bei der Diskussion über moderne Ernährung nicht vernachlässigt werden sollte.

Mykotoxine in allen untersuchten Produkten nachgewiesen

Wie ÖKO-TEST am 16. September 2026 berichtet, untersuchte ein Forschungsteam insgesamt 212 Produkte aus dem britischen Einzelhandel: 92 pflanzliche Fleischalternativen und 120 pflanzliche Getränke. Dazu gehörten unter anderem Burger, vegane Würstchen, pflanzliche Hähnchenalternativen sowie Hafer-, Soja- und Mandeldrinks.

Das Ergebnis: In allen untersuchten Produkten wurde mindestens ein Mykotoxin nachgewiesen. Bei vielen Proben fanden sich mehrere dieser Stoffe gleichzeitig. Besonders häufig betroffen waren Fleischersatzprodukte auf Hülsenfruchtbasis sowie Produkte, die Getreide und Hülsenfrüchte kombinieren. Bei den pflanzlichen Getränken wiesen Haferdrinks die größte Vielfalt an nachgewiesenen Mykotoxinen auf.

Was sind Mykotoxine?

Mykotoxine sind Stoffwechselprodukte bestimmter Schimmelpilze. Sie können bereits bei der Erzeugung pflanzlicher Rohstoffe entstehen oder durch ungünstige Bedingungen bei Lagerung und Weiterverarbeitung in die Lebensmittel gelangen. Da sie nicht immer sichtbar oder am Geschmack erkennbar sind, kommt der Kontrolle entlang der gesamten Produktionskette besondere Bedeutung zu.

Kein Anlass für pauschale Warnungen – aber ein Thema für die Lebensmittelkontrolle

Die Ergebnisse müssen differenziert betrachtet werden. Nach Angaben von ÖKO-TEST lagen die gemessenen Konzentrationen unter den einschlägigen EU-Höchstwerten für Getreide und verwandte Erzeugnisse. Aus der bloßen Feststellung von Mykotoxinen lässt sich deshalb nicht ableiten, dass die untersuchten Produkte gesundheitlich bedenklich sind.

Gleichzeitig ist der Nachweis ein wichtiger Hinweis darauf, dass die Qualität von Lebensmitteln nicht allein anhand ihrer Zutatenliste oder ihres Images beurteilt werden sollte. Auch die Belastung mit unerwünschten Stoffen gehört zu einer umfassenden Bewertung.

Die Untersuchung wirft zudem die Frage auf, wie mögliche Mehrfachbelastungen und die langfristige Aufnahme geringer Mengen verschiedener Mykotoxine wissenschaftlich zu bewerten sind. Aus den vorliegenden Ergebnissen allein lässt sich kein konkretes Gesundheitsrisiko für einzelne Verbraucher ableiten. Sie zeigen jedoch, dass eine kontinuierliche Forschung und eine risikobasierte Überwachung sinnvoll bleiben.

Wichtig ist auch die Einordnung der Daten: Untersucht wurden Produkte aus dem britischen Einzelhandel. Die Ergebnisse lassen sich daher nicht ohne Weiteres auf sämtliche pflanzlichen Alternativen oder den gesamten deutschen Markt übertragen.

Lebensmittelsicherheit beginnt bei den Rohstoffen

Die Untersuchung verdeutlicht die Bedeutung eines sorgfältigen Umgangs mit Rohstoffen. Bei pflanzlichen Produkten hängt die Belastung mit Mykotoxinen unter anderem von den eingesetzten Getreide- und Hülsenfruchtarten, den Anbaubedingungen sowie der Lagerung und Verarbeitung ab. Eine konsequente Qualitätskontrolle ist deshalb auf jeder Stufe der Lebensmittelkette gefragt.

Auch bei tierischen Lebensmitteln sind die Qualität der Ausgangsstoffe, geeignete Herstellungsverfahren, Hygiene und Kontrollen zentrale Voraussetzungen für sichere Produkte. Die Anforderungen unterscheiden sich je nach Lebensmittel und möglichen Gefahren. Eine sachliche Bewertung sollte diese Unterschiede berücksichtigen, statt Produktgruppen pauschal gegeneinanderzustellen.

Vielfalt auf dem Teller – und Genauigkeit bei der Bewertung

Die aktuelle Untersuchung erinnert daran, dass die Sicherheit eines Lebensmittels anhand konkreter Daten und unter Berücksichtigung der tatsächlichen Belastung beurteilt werden muss. So weist das Bundesinstitut für Risikobewertung darauf hin, dass Mykotoxine nicht ausschließlich in pflanzlichen Ersatzprodukten vorkommen können. Auch andere Lebensmittel, darunter Getreide, Nüsse, Obst, Gemüse, Kakao und Gewürze, können entsprechende Stoffe enthalten. Eine abwechslungsreiche Ernährung ist daher wichtig, um die Aufnahme unerwünschter Stoffe aus einzelnen Quellen zu begrenzen.

Entscheidend ist nicht, ob ein Lebensmittel pflanzlich oder tierisch ist. Entscheidend ist, dass seine Qualität stimmt, Risiken konsequent kontrolliert werden und Verbraucher eine verlässliche Grundlage für ihre Kaufentscheidungen erhalten.